{"id":367,"date":"2022-06-14T14:25:47","date_gmt":"2022-06-14T14:25:47","guid":{"rendered":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/?page_id=367"},"modified":"2023-03-22T11:03:22","modified_gmt":"2023-03-22T11:03:22","slug":"expertinnen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/einblicke\/expertinnen\/","title":{"rendered":"Expert*innen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Behinderte Menschen: Expert*innen zweiter Klasse?<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Mod_Karte_3-1024x681.jpg\" alt=\"Wir blicken Jennifer Sonntag \u00fcber die rechte Schulter. Sie sitzt auf einem roten Ledersessel und h\u00e4lt in ihrer linken Hand zwei wei\u00dfe Moderationskarten, w\u00e4hrend Sie mit der rechten Hand \u00fcber eine der Karten f\u00e4hrt, um diese zu lesen.\" class=\"wp-image-383\" srcset=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Mod_Karte_3-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Mod_Karte_3-300x200.jpg 300w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Mod_Karte_3-768x511.jpg 768w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Mod_Karte_3-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Mod_Karte_3-2048x1363.jpg 2048w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Mod_Karte_3-1200x798.jpg 1200w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Mod_Karte_3-1980x1318.jpg 1980w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jennifer Sonntag beim Lesen von Moderationskarten; Foto: malsehn.media<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn ich als Expertin f\u00fcr Veranstaltungen angefragt werde, sind mir Wertsch\u00e4tzung und Augenh\u00f6he auf beiden Seiten wichtig. So freute ich mich \u00fcber die Einladung als Podiumsteilnehmerin zu einer Teilhabekonferenz unter der Leitfrage: \u201cWie geht es weiter auf dem Weg zur Inklusion?\u201c. Kostenvoranschl\u00e4ge f\u00fcr Honorare konnten eingereicht werden. Ich registrierte diesen Sinneswandel, denn bei uns Expert*innen mit Behinderungen erwarten Veranstaltende leider noch allzu h\u00e4ufig kostenlose Beteiligungen, auch wenn wir mit gleichen oder geeigneteren Qualifikationen antreten. So werden wir die \u00dcber-uns-ohne-uns-Kultur nie verlassen. Und auch diesmal hatte ich mich zu fr\u00fch gefreut. Ich erhielt eine irritierte Antwort. Die Honorare seien nicht auf die Expert*innen in eigener Sache bezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4tzte Veranstaltende: Inklusion und Teilhabe hei\u00dft auch, dass Expert*innen mit Behinderungen in Panels und an Podien nicht immer kostenlos sitzen k\u00f6nnen. An Ehren\u00e4mtern mangelt es vielen von uns nun wirklich nicht. Aber gerade bei solchen Konferenzen, bei denen es um unsere Kompetenzen und Belange geht, finde ich es ein wichtiges Zeichen, eben nicht wieder in der Ehrenamtsfalle zu landen. In jedem Fall sollte ein nicht honorierter Arbeitsaufwand f\u00fcr eine behinderte Person eine selbstbestimmte und keine strukturelle Entscheidung sein. F\u00fcr mich ist immer die Frage interessant, ob ausschlie\u00dflich von den behinderten Akteur*innen eine kostenlose Mitwirkung erwartet wird oder von allen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend entlohnte Menschen ohne Behinderungen bei solchen Konferenzen h\u00e4ufig \u00fcber Schwerpunkte wie \u201eArbeit und Inklusion\u201c referieren, verhindern sie durch den Ausschluss honorierter und qualifizierter Expert*innen mit Behinderungen gelebte Inklusion. Mal wird es direkt, mal durch die Blume gesagt: Honorare gelten nicht f\u00fcr Expert*innen in eigener Sache. Ausgerechnet die, die permanentes Ehrenamt behinderter Expert*innen voraussetzen, sind erfahrungsgem\u00e4\u00df dienstlich und nicht ehrenamtlich zugegen. Und nat\u00fcrlich habe ich befreundete Organisationen im Blick, die Selbsthilfe, die oft mit kleinen Summen hantieren muss und f\u00fcr die ich mehrere Tage in der Woche kostenlos arbeite. Aber es gibt gef\u00f6rderte Inklusion, oft an unseren Bed\u00fcrfnissen vorbei, in die Taschen derer hinein, die unser Teilhaben an der Teilhabe dann doch eher behindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schrieb im n\u00e4chsten Schritt beteiligte Vortragende und Behindertenbeauftragte an, die in den Fachforen der Veranstaltung f\u00fcr Inklusion Gesicht zeigen sollten. Oft wissen nichtbehinderte Beteiligte an solchen Tagungen nicht, dass Menschen mit Behinderungen f\u00fcr Vortr\u00e4ge gar nicht erst angefragt werden. Diese Mitwirkenden f\u00fchrten daraufhin R\u00fccksprache mit dem Veranstalter. Auf diese Impulse hin entschuldigte er sich bei mir. Ergebnis: ich wurde durch einen anderen behinderten Ehrenamtler ersetzt. Alle Experten in eigener Sache blieben also nach wie vor Ehrenamtler und nun gab es nicht mal mehr eine einzige Frau mit Behinderung in der Gespr\u00e4chsrunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Konferenz schlie\u00dflich in den digitalen Raum verschoben werden. Gerade durch die digitalen M\u00f6glichkeiten h\u00e4tte sich hier eine echte Chance f\u00fcr Inklusion ergeben. Fachvortr\u00e4ge zu ihren Themen k\u00f6nnen auch und insbesondere Menschen mit Behinderungen mitgestalten. Die Fachforen wurden jedoch wie gehabt auch online im gro\u00dfen Stil von nichtbehinderten Referierenden zu Inklusions- und Teilhabethemen besetzt. Behinderte Menschen wurden in einer Meinungsrubrik immerhin angeh\u00f6rt, mit dem Zusatz, dass es sich hier eben ausschlie\u00dflich um individuelle Meinungs\u00e4u\u00dferungen handele. Nat\u00fcrlich, f\u00fcr die Fakten waren die Nichtbetroffenen Referierenden zust\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zusammenwirken behinderter und nichtbehinderter Akteur*innen finde ich durchaus bereichernd und angemessen, solange auch Referierende mit Behinderung zu ihren eigenen Themen in den Fachforen, nicht nur auf den \u201ebilligen\u201c Pl\u00e4tzen sitzen. F\u00fcr mich stellt sich das immer ein bisschen wie ein Kongress zu Frauenbelangen dar, auf dem nur M\u00e4nner sprechen. Einige Frauen d\u00fcrften dann, denken wir das mal weiter, &nbsp;zu ihren eigenen Belangen zwar ihre Meinung sagen, als Fachleute auf Augenh\u00f6he w\u00fcrden sie aber gar nicht erst angefragt. Stellen wir uns das mal bei anderen Diversit\u00e4tsthemen vor. Das st\u00f6\u00dft bei den Betroffenengruppen selten auf Begeisterung.<\/p>\n\n\n\n<p>Exemplarisch ver\u00f6ffentlichte ich meine Erfahrung in den sozialen Medien und erhielt viel Zuspruch von Mitbetroffenen. Ich hatte mit dem Thema in ein Wespennest gestochen. Ein Leser meldete jedoch r\u00fcck, er verst\u00fcnde diese Selbstdarstellung nicht und ginge davon aus, ich w\u00fcrde meine Seminare und Workshops aus \u00dcberzeugung machen. Er selbst sei auch blind und Ehrenamt gebe ihm Kraft. Und genau das m\u00f6chte ich auch niemandem absprechen. Ich pers\u00f6nlich will mich jedoch nicht vergebens durch mein Studium und zahlreiche Qualifikationen gek\u00e4mpft haben, die alles andere als barrierefrei waren, um dann von Luft und Liebe zu leben. Es muss dann vielleicht nicht immer das Ehrenamt sein, gerade bei gro\u00dfen Kongressen, bei denen offensichtlich ein Budget f\u00fcr Mitwirkende bereitsteht. Und es gibt wunderbare Beispiele f\u00fcr Veranstaltungen, bei denen ich meine Beitr\u00e4ge ganz selbstverst\u00e4ndlich honoriert bekam, auch au\u00dferhalb der Inklusionsszene.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Ehren\u00e4mter haben, vorsichtig gesagt, etwas \u00dcberhang. In manchen Kontexten m\u00f6chte ich mich nicht als Maskottchen f\u00fcr verkleidete Teilhabe und undurchblutete Inklusion hergeben, w\u00e4hrend andere ihre Anwesenheit dienstlich verbuchen oder Honorare abrufen k\u00f6nnen. Dann ist das gerade bei Tagungen rund um Inklusion keine Inklusion. Ich m\u00f6chte aber nicht f\u00fcr alle sprechen. Manche\/r tritt gern ehrenamtlich auf, hat vielleicht einen sicheren Job und m\u00f6chte gern etwas zur\u00fcckgeben. Manche\/r darf auch nichts hinzuverdienen oder m\u00f6chte einfach keine komplizierten Abrechnungen. Aber uns immer kostenlos vorauszusetzen ohne nachzufragen ist \u00fcbergriffig. Es gibt viele unter uns, die freiberuflich t\u00e4tig sind und mit ihren Expertisen oder Qualifikationen auf hohem Niveau arbeiten. Unsere T\u00e4tigkeit bedeutet gute Vorbereitung, Mehraufwand und stetige Weiterbildung. Auch die Erstattung von Fahrtkosten, die auch nicht immer gegeben ist, honoriert nicht unsere eigentliche Arbeit. Um die Leitfrage der Teilhabekonferenz zu beantworten: So geht es jedenfalls nicht weiter auf dem Weg zur Inklusion!<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Thema erschien auch in den Kobinet-Nachrichten und auf \u201eLydias Welt\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/kobinet-nachrichten.org\/2020\/02\/17\/behinderte-menschen-expertinnen-zweiter-klasse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/kobinet-nachrichten.org\/2020\/02\/17\/behinderte-menschen-expertinnen-zweiter-klasse\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/lydiaswelt.com\/2020\/03\/13\/ehrenamt-oder-auch-mal-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/lydiaswelt.com\/2020\/03\/13\/ehrenamt-oder-auch-mal-nicht\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzende Links zu Expert*innen in eigener Sache und Honorarstaffel:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.referenten-mit-behinderung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.referenten-mit-behinderung.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.referenten-mit-behinderung.de\/honorarstaffel\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.referenten-mit-behinderung.de\/honorarstaffel<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-background-color has-secondary-background-color has-text-color has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/blog\/\">Zum Blog<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Behinderte Menschen: Expert*innen zweiter Klasse? Wenn ich als Expertin f\u00fcr Veranstaltungen angefragt werde, sind mir Wertsch\u00e4tzung und Augenh\u00f6he auf beiden Seiten wichtig. So freute ich mich \u00fcber die Einladung als Podiumsteilnehmerin zu einer Teilhabekonferenz unter der Leitfrage: \u201cWie geht es weiter auf dem Weg zur Inklusion?\u201c. Kostenvoranschl\u00e4ge f\u00fcr Honorare konnten eingereicht werden. Ich registrierte diesen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":322,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-367","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/367"}],"collection":[{"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=367"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":636,"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/367\/revisions\/636"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}