{"id":688,"date":"2023-12-02T15:48:02","date_gmt":"2023-12-02T15:48:02","guid":{"rendered":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/?page_id=688"},"modified":"2023-12-02T16:16:25","modified_gmt":"2023-12-02T16:16:25","slug":"von-der-skyline-zum-grabstein-und-zurueck","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/einblicke\/von-der-skyline-zum-grabstein-und-zurueck\/","title":{"rendered":"Von der Skyline zum Grabstein und zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading has-primary-color has-text-color\">Ein R\u00fcckblick auf das Wave-Gotik-Treffen<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/MittelalterStehend-768x1024.jpg\" alt=\"Jennifer Sonntag steht in einem langen schwarz-rotem Kleid im Gr\u00fcnen. Die Arme h\u00e4lt sie leicht angewinkelt und offen- so, als w\u00fcrde sie uns als G\u00e4ste willkommen hei\u00dfen. Dadurch fallen die weit ausgestellten roten \u00c4rmel elegant herab.\" class=\"wp-image-687\" srcset=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/MittelalterStehend-768x1024.jpg 768w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/MittelalterStehend-225x300.jpg 225w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/MittelalterStehend-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/MittelalterStehend-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/MittelalterStehend-1200x1600.jpg 1200w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/MittelalterStehend-1980x2640.jpg 1980w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/MittelalterStehend-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jennifer Sonntag mit mittelalterlichem Kleid; Foto: privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Ich hake mich bei meinem Buch- und Lebenspartner Dirot unter und betrete diese Zeilen. Mit der rechten Hand f\u00fchre ich mein Zauberzepter, das von einem funkelnden Kristall gekr\u00f6nt ist. Wir treffen uns in Halle auf dem Bahnhof. Einmal im Jahr verwandelt sich die S5, welche Pendelnde, Studierende und Konsumwillige von der grauen Diva Sachsen-Anhalts nach Klein-Paris bef\u00f6rdert, in meinen verwunschenen WGT-Express. Am Leipziger Hauptbahnhof angekommen, dominiert die Farbe schwarz, schildert mir Dirot in dunkelbunten Worten, denn ich kann es nicht sehen. Er beschreibt mir die erste Fotoausstellung und ich h\u00f6re eine kleine Band, die das Thema der Bilder aufgreift. Sogar B\u00e4cker und andere Gewerbetreibende haben sich auf die \u201eSchwarzkittel\u201c eingestellt: T\u00f6rtchen in Sargform und bei einem Burger-Anbieter prangt ein gelbes \u201eM\u201c auf den schwarzen Werbeluftballons.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Wir fahren eine Station weiter. Am Wilhelm\u2013Leuschner-Platz kann man das WGT f\u00f6rmlich riechen. Gleich in der N\u00e4he ist die Moritzbastei. Wie oft habe ich in der Veranstaltungstonne unvergesslichen Konzerten beigewohnt. Dirot hat hier h\u00e4ufig mit \u201eLament\u201c gespielt, auch im Rahmen des WGTs. Er sagt heute scherzhaft, das habe sich damals wie ein zweites Wohnzimmer angef\u00fchlt. Ich war Fan der Band und so lernten wir uns kennen. Auf dem \u201eDach\u201c der Moritzbastei ist ein Mittelaltermarkt aufgebaut, den man auch ohne B\u00e4ndchen besuchen kann. In der Luft schwebt der Duft von R\u00e4ucherst\u00e4bchen und Met. Ich h\u00f6re das Klirren von Schwertern der Ritter-Schauk\u00e4mpfe. Meine Fingerspitzen erkunden die Schmuckauslagen der St\u00e4nde. Ich lasse innere Bilder entstehen. Auf dem Vorplatz zur Moritzbastei lausche ich dem Rascheln der aufw\u00e4ndigen Kleider, dem Rasseln von metallischen Accessoires und polyglottem Stimmgewirr. Meine Sinne berauschen sich an dieser Atmosph\u00e4re und helfen mir dabei, mein Kopfkino zu bespielen. Ich m\u00f6chte ganz viel wissen, ganz viel fragen, bin mir bewusst dar\u00fcber, dass Dirot all die optischen Eindr\u00fccke f\u00fcr mich niemals allesamt in Worte wird fassen k\u00f6nnen. Aber ich bewahre jedes Wortbild, was er mir schenkt auf wie einen Schatz und pr\u00e4ge mir wertvolle Sinneseindr\u00fccke \u00fcber Jahre ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Wir gehen weiter durch die gr\u00fcne Lenne-Anlage und \u00fcber den vielbefahrenen Ro\u00dfplatz. Dann passieren wir einen der Durchg\u00e4nge des gro\u00dfen, leicht gebogenen Geb\u00e4udekomplexes, der das Ringcafe&nbsp; beherbergt. Schlie\u00dflich geraten wir in den Sog eines fast schon idyllischen H\u00e4userensembles um eine park\u00e4hnliche Gr\u00fcnfl\u00e4che. Bis 2022 war es&nbsp; sch\u00f6ne&nbsp; Pfingsttradition, dem VEID e.V. (Bundesverband f\u00fcr verwaiste Eltern und trauernde Geschwister) einen Besuch abzustatten. Unter der Schirmherrschaft von Luci van Org gaben sich dort Szenegr\u00f6\u00dfen ein Stelldichein und unterst\u00fctzten mit ihren Beitr\u00e4gen die&nbsp; Arbeit des Vereins. Musiker*innen, Literat*innen und bildende K\u00fcnstler*innen animierten die G\u00e4ste&nbsp; nach ihren Darbietungen zu Spenden oder stellten Werke zur Versteigerung bereit. In den R\u00e4umen des VEID reichten die Mitarbeitenden einen liebevoll hergerichteten Imbiss. Lucis kleines Festival war viele Jahre unser emotionaler H\u00f6hepunkt. Hier haben wir gelernt, dass Trauern und Tanzen sich nicht widersprechen m\u00fcssen. Umso bedauerlicher finden wir, dass Teile des neuen Bundesvorstandes des VEID seit 2023 keine Kooperation mehr mit dem WGT w\u00fcnschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">&nbsp;Apropos&nbsp; Abschiede: Schr\u00e4g gegen\u00fcber gab es vor ein paar Jahren noch die \u201eAbsintherie Sixtina\u201c, mit lauschigen Konzerten, Lesungen und Menschen aus aller Herren L\u00e4nder. Leider musste auch der zweite Standort der Gentrifizierung weichen. Wir erlebten dort im Dezember 2019 noch ein Konzert der Band \u201eSchneewittchen\u201c, die mir auch auf dem WGT mehrfach begegnet war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Wir l\u00f6sen uns aus der fast feierlichen Stimmung und kehren zur\u00fcck in den Untergrund. Unser WGT-Express startet unterm Leuschner-Platz. Er tr\u00e4gt uns Richtung S\u00fcden. Vorbei am MDR-Geb\u00e4ude, in dem ich viele Jahre meine \u201eSonntagsFragen\u201c moderierte. Ich hatte es nicht zuletzt meinem Gothic-Look zu verdanken, dass mich das Fernsehen damals entdeckte. Das erste Portrait drehten wir auf dem WGT. Kurz darauf wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen k\u00f6nne, prominente G\u00e4ste aus Sicht einer blinden Frau zu interviewen. Insgesamt habe ich dann 14 Jahre f\u00fcr den MDR gearbeitet und verschiedene Formate innerhalb der Sendung \u201eSelbstbestimmt!\u201c umgesetzt. Von der Sozialp\u00e4dagogin qualifizierte ich mich zur Journalistin weiter. Zu meinen \u00fcber 90 G\u00e4sten geh\u00f6rten auch Gesichter aus der Szene, wie Luci van Org, Mark Benecke, Fabian Kahl, der seinerzeit als Bares-f\u00fcr-Rares-H\u00e4ndler durch seinen extravaganten Goth-Style auffiel und Schwarwel, auf den wir sp\u00e4ter noch treffen werden. W\u00e4hrend unserer Talks konnten meine Interviewten durch die gro\u00dfe Glasfront des MDR-Hochhauses die Leipziger Skyline und das V\u00f6lkerschlachtdenkmal sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">An diesem schaurig sch\u00f6nen Monument fahren wir nun auch vorbei. Ich erinnere mich gern daran, dass ich das Denkmal erstmals erklomm, als ich schon auf meinen Tastsinn angewiesen war. Der Gag sei erlaubt: F\u00fcr den Ausblick hatte ich es nicht getan. Aber ich konnte mir einen Eindruck von der einsch\u00fcchternden Erhabenheit des V\u00f6lkis verschaffen. Sicher ist seine Geschichte zwiesp\u00e4ltig und der Grund der Errichtung war ein trauriger. Dirot nennt es den Richard Wagner unter den Denkm\u00e4lern. F\u00fcr das WGT war der charismatische Ort bereits Kulisse&nbsp; f\u00fcr unvergessliche Konzerterlebnisse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Nahe am V\u00f6lkerschlachtdenkmal erstreckt sich der S\u00fcdfriedhof. Dort hatte ich vor vielen Jahren mein erstes Fotoshooting mit den Pfingstgefl\u00fcster. Es entstanden auch Bilder im S\u00e4ulengang der Trauerhalle. Damals h\u00e4tte ich nicht geahnt, dass dieser Ort nochmal eine viel gravierendere Rolle in meinem Leben spielen w\u00fcrde. Ich hatte sp\u00e4ter mit Dirot dort eine Lesung Christian von Asters besucht, letztes Jahr jedoch hielt Christian in diesen Gefilden die Trauerrede f\u00fcr unseren gesch\u00e4tzten Verleger und Freund Oliver Baglieri. Bei Olli haben wir unsere ersten literarischen Kinder ver\u00f6ffentlicht. Ich brachte mein Coming of Age-Buch \u201eM\u00e4rchenland im M\u00fcll\u201c \u00fcber die hallesche Punk- und Junkie-Szene, aber auch das Sachbuch \u201eVerf\u00fchrung zu einem Blind Date\u201c und die Anthologie \u201eHinter Aphrodites Augen\u201c heraus. Dirot publizierte seine Novelle \u201eMichel\u201c und beteiligte sich an mehreren Buchprojekten. Olli mit seinem gewinnenden und manchmal schelmischen L\u00e4cheln war vor allem ein Ermutiger und dabei h\u00e4tte er gerade in den letzten Monaten selber Zuspruch gebraucht. Wir finden es tr\u00f6stlich, dass er auf dem S\u00fcdfriedhof seine letzte Ruhe fand, zwischen viel Gr\u00fcn, zahlreichen bekannten Personen der Stadt und frechen Eichh\u00f6rnchen. Der Bestatter bat die Trauergemeinschaft um Verst\u00e4ndnis, es k\u00f6nne sein, dass die Blumen am n\u00e4chsten Tag aufgefuttert sein w\u00fcrden, da Rehe sie sich in der Nacht schmecken lie\u00dfen. Das w\u00e4re Ollis Humor gewesen. Und unser Humor ist es, dass unser Freund sich genau am Samstag des WGTs 2022 auf seine letzte Reise begab. Der Tod des Szeneverlegers hatte viele der alten Schreiberlinge wieder zusammengef\u00fchrt. Michael Schwe\u00dfinger startete ein Crowdfunding, damit Olli w\u00fcrdig bestattet werden konnte. Hauke von Grimm organisierte mit Verlagsfreunden einen Oliver-Baglieri-Ehrenabend. Beide Autoren waren in herausfordernden Zeiten mit in die Verlagsarbeit eingestiegen, bevor sie gemeinsam die Pforten schlossen. Ollis B\u00fcchlein \u201eAls die Gruftis Buttons trugen\u201c bleibt eine Metapher in unserem Regal. Viele erinnern sich noch an seinen Laden \u201eYour Paperzone\u201c, die subversive Keimzelle der \u201eEdition PaperOne\u201c am Werk 2. In diese Richtung fahren wir nun auch weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Im Stadtteil Connewitz steigen wir aus. Um zum Werk 2 zu gelangen, m\u00fcssen wir noch drei Stationen mit der Stra\u00dfenbahn fahren, bis zum Connewitzer Kreuz. F\u00fcr \u201eSchwarzfahrer\u201c ist zum WGT sogar eine eigene Linie auf den Schienen. Wer auf dem Weg zur \u201eGothic-Pogo-Party\u201c ist, macht gern einen Abstecher ins Atelier \u201eKatakombe Connewitz\u201c, welches sich direkt auf dem Gel\u00e4nde des Werks befindet. Es geht einige Stufen in einen nebligen Keller &#8211; d\u00fcster, morbid und urgem\u00fctlich &#8211; in dem die ab- und tiefgr\u00fcndige Kunst von Dani(Danjela Diamond) und Andy (Incestum) ausgestellt wird. Andy aka Incestum stand \u00fcbrigens damals auch Modell f\u00fcr Ollis \u201ePaperOne\u201c-Logo. Er war der lesende Punk unter der Laterne. Ich bin dankbar, dass die Kunst im Keller ber\u00fchrt werden darf. Egal ob rostiges S\u00e4geblatt oder fragiles Schneckenhaus, meine Fingerspitzen erkunden fasziniert die Widerspr\u00fcche und die Sinnbilder in den zauberhaften und verst\u00f6renden Arrangements der kleinen Absonderswelt. Aus Materialien von Papier bis Stahl spiegeln die Werke die albtraumhaften Ergebnisse menschlichen Tuns. Dabei wird das Monstr\u00f6se gern mit einer Prise Humor oder einem Spritzer nonchalantem Zynismus abgeschmeckt. Au\u00dferhalb des WGTs \u00f6ffnen die K\u00fcnstler*innen freitags ihr Atelier f\u00fcr Interessierte. Meine heimische Wohnzimmerwand ziert inzwischen ein massives und f\u00fcr mich sehr symbolisches Tastbild von Incestum, was wir \u201eAugenschein\u201c nennen.&nbsp; Den Wimpernkranz des zentralen Augenmotivs schm\u00fcckt eine massive Eisenkette aus dem Werk 2, die der K\u00fcnstler im Bild verbaute. Ich verbinde mit der Location gro\u00dfartige Konzerte von befreundeten Bands, f\u00fcr die Dirot seinerzeit auf der B\u00fchne stand, so auch bei \u201eRaum41\u201c, damals noch im Rahmen des offiziellen WGT-Programms. Selbst durfte ich 2019 an diesem Ort als Botschafterin f\u00fcr \u201eDie Stadt der Sterblichen\u201c, ein Festival, was von der Funus-Stiftung ausgerichtet wird, in der \u201eTalkshow des Todes\u201c Rede und Antwort zu den Themen Angst, Depression und Suizidpr\u00e4vention, aber auch zu Tod, Trost und Trauer stehen. Markus Kavka, dessen Arbeit ich als Musik-Fan schon seit meiner fr\u00fchen Jugend verfolge,&nbsp; moderierte die Runde,in die neben Jupiter-Jones-S\u00e4nger Nicholas M\u00fcller auch der Sportjournalist Ronald Reng und der Bestatter Eric Wrede eingeladen waren. Das Werk 2 ist einer der kreativen Schmelztiegel mit dem Leipzig so reich gesegnet ist. So ist es, rohes Mauerwerk und koexistierendes Gr\u00fcn, selbst ein Kunstwerk &#8211; gezeichnet vom Leben. Wenn nicht gerade Konzerte oder Tanzlustbarkeiten in den heiligen Hallen stattfinden, verstr\u00f6men die Geb\u00e4ude, die den schlauchf\u00f6rmigen, grob gepflasterten Hof s\u00e4umen, jenen Charme, den man nicht k\u00fcnstlich erzeugen kann &#8211; mit seinen umgewidmeten Industriegeb\u00e4uden, die bev\u00f6lkert werden von bildenden K\u00fcnstler*innen, Vereinen und den Connewitzer Cammerspielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Links neben dem Hofzugang befindet sich die \u201eAgentur Gl\u00fccklicher Montag\u201c. Schwarwel d\u00fcrfte vielen durch seine Comics und Karikaturen bekannt sein. Es vergeht keine Woche, in der wir nicht auf eine Zeichnung in einer Zeitung, in einer Fernsehsendung oder auf einer Webseite von ihm sto\u00dfen. Aber Sandra Strau\u00df, AGM-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin, und Schwarwel zeichnen sich auch f\u00fcr den Almanach \u201eNicht gesellschaftsf\u00e4hig \u2013 Alltag mit psychischen Belastungen\u201c verantwortlich, an dem ich neben zahlreichen Fachleuten, Betroffenen und Prominenten mitwirken durfte. Da die AGM auch die \u201eDrunter &amp; Dr\u00fcber\u201c, das Magazin&nbsp; f\u00fcr Endlichkeitskultur der Funus-Stiftung, redaktionell mitbetreut, kam es auch hier zu einer wunderbaren Zusammenarbeit. Seit letztem Jahr schreibe ich f\u00fcr die DuD meine \u201eSonntagskolumne\u201c und meinen \u201eTodcast-Tipp\u201c. Mir ist wichtig, mich auch \u00fcber das WGT hinaus f\u00fcr Inhalte zu engagieren, vor denen die Gesellschaft gern die Augen verschlie\u00dft. Die schwarze Szene gibt mir daf\u00fcr das n\u00f6tige Empowerment, auch bei meinen eigenen Themen. Als ich selbst mit Krankheit und Verlust konfrontiert wurde, half mir diese Lebensphilosophie dabei, mich weicher f\u00fcr die schweren Themen zu machen und im \u00fcbertragenen Sinne gesprochen, die Lichtquellen im Dunkeln aufzusuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Wir verlassen das Gel\u00e4nde und k\u00f6nnten den ersten Veranstaltungsort der 30-j\u00e4hrigen Geschichte des WGTs besuchen. L\u00e4ngst ist aus dem damaligen \u201eEiskeller\u201c das soziokulturelle Zentrum \u201eConne Island\u201c geworden. Noch immer ist es ein Hort f\u00fcr alternative Kultur. Mir blieb nachhaltig in Erinnerung, dass Awareness dort schon eine Rolle spielte, als es der Begriff noch nicht in den Mainstream geschafft hatte, auch wenn es unbequem war. Awareness ist mir auch im Umgang mit behinderten Konzert- und Festivalbesucher*innen ein gro\u00dfes Anliegen. Deshalb bin ich seit diesem Jahr Beraterin bei der Initiative \u201eBarrierefrei feiern\u201c (IBF). Wir schulen Veranstaltende darin, ihre Events inklusiv mitzudenken. Leider gibt es auch beim WGT noch viele Orte, die f\u00fcr Menschen mit Behinderungen nur eingeschr\u00e4nkt oder gar nicht zug\u00e4nglich sind. Wir lassen die Wolfgang Heinze Stra\u00dfe mit seinem UT Connewitz &#8211; dem \u00e4ltesten Lichtspielhaus Leipzigs rechts- liegen. Auch in diesem Geb\u00e4ude stecken Erinnerungen, da ich hier einen TV-Piloten drehen und \u201eLament\u201c ihre Live-DVD produzieren durfte. Weiter geht es mit der \u201eBimmel\u201c, wie der Leipziger seine Stra\u00dfenbahn nennt, die Bornaische Stra\u00dfe Richtung Markkleeberg zum Epizentrum des WGTs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Vorher machen wir noch einen Abstecher zum Heidnischen Dorf. Haltestelle Leinestra\u00dfe steigen wir aus. Wir passieren die Helenenstra\u00dfe zum D\u00f6litzer Torhaus. \u00dcber eine kleine Br\u00fccke durch eine Toreinfahrt betreten wir den elusteren Ort. St\u00e4nde mit allerlei Speis und Trank, Geschmeide, Lederwaren, Gew\u00e4ndern und vielem mehr locken meinen Erkundungsdrang.&nbsp; In den Badezuber lege ich mich nicht und ich lasse mich auch nicht als Jungfrau versteigern. Die gr\u00fcne Idylle l\u00e4dt dazu ein, sich auf den raren B\u00e4nken niederzulassen oder sich ins Gras zu setzen, um mit guten Freund*innen und neuen Bekannten eine Plauderei zu halten oder der Musik zu lauschen, die von der B\u00fchne erschallt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Vom Heidnischen Dorf aus k\u00f6nnen wir das Agra-Areal fu\u00dfl\u00e4ufig erreichen. Rund um das ehemalige Messegel\u00e4nde, auf der sogenannte Leistungsschauen der DDR-Landwirtschaft stattfanden, ist die Dichte \u201ekuntergraudunkelbunter\u201c Menschen am h\u00f6chsten. Betreten wir das weitl\u00e4ufige Areal durch das Portal, sto\u00dfen wir auf einen breiten Weg, der zum Catwalk wird und den K\u00f6niginnen, Hexen und schwarzen Feen ihre B\u00fchne bietet(m\u00e4nnliche Pendants sind hier ausdr\u00fccklich mitgemeint). Der Rasenstreifen, der diesen Weg s\u00e4umt, ist ebenfalls bev\u00f6lkert von Gestalten jedweder Schwarz-Couleur. Fr\u00fcher war die Halle mit den vielen St\u00e4nden mein erster Anlaufpunkt, 666 Verf\u00fchrungen. Meine Finger und Ohren waren Augen und oft habe ich reiche Beute gemacht, da ich hier ausgiebig ertasten konnte, was f\u00fcr mich in Online-Shops und Katalogen unsichtbar blieb. Manches Teil begleitete mich einen wundervollen Tag lang und wurde dann in meiner textilen Schatzkammer f\u00fcr besondere Momente aufbewahrt, andere St\u00fccke trage ich allt\u00e4glich an mir. Aber keines will ich missen, sind diese Errungenschaften doch Eselsbr\u00fccken f\u00fcr Erlebtes, ich nehme sie immer wieder heraus, f\u00fchre sie aus&nbsp; und wenn ich sie ber\u00fchre, f\u00fchle ich mich jung und alt zugleich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Jennifer Sonntag in Zusammenarbeit mit Dirk \u201eDirot\u201c Rotzsch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color\">Dieser Beitrag erschien in der Jubil\u00e4umsausgabe des \u201ePfingstgefl\u00fcsters\u201c. Die Printausgabe kann hier bestellt werden: <a href=\"http:\/\/pfingstgefluester.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">externer Link<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/blog\/\">Zum blog<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein R\u00fcckblick auf das Wave-Gotik-Treffen Ich hake mich bei meinem Buch- und Lebenspartner Dirot unter und betrete diese Zeilen. Mit der rechten Hand f\u00fchre ich mein Zauberzepter, das von einem funkelnden Kristall gekr\u00f6nt ist. Wir treffen uns in Halle auf dem Bahnhof. 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