{"id":706,"date":"2023-12-02T16:28:26","date_gmt":"2023-12-02T16:28:26","guid":{"rendered":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/?page_id=706"},"modified":"2023-12-03T17:42:57","modified_gmt":"2023-12-03T17:42:57","slug":"ich-hab-was-mit-mode-am-hut","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/einblicke\/ich-hab-was-mit-mode-am-hut\/","title":{"rendered":"Ich hab was mit Mode am Hut"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich w\u00fcnsche mir sehr, dass ich als Frau mit Behinderung nicht st\u00e4ndig und in allen Lebenslagen auf meine Einschr\u00e4nkungen reduziert werde. So war meine Begeisterung stets gro\u00df, wenn mich Frauenzeitschriften zu Themen einluden, bei denen auch ich mitreden wollte: Mode, Stil, die pers\u00f6nliche Signatur und Selbstbestimmung darin, das innere Spiegelbild, auch die Abgrenzung von Modediktaten. Es versteht sich von selbst, dass dies nicht die einzigen Inhalte sind, die mein Schaffen ausmachen, aber ich pers\u00f6nlich kann das Unsch\u00f6ne gest\u00e4rkter beim Kragen packen, wenn ich das Sch\u00f6ne genie\u00dfe. Was meine Sinne verzaubert, muss aber nicht unbedingt dem Mainstream gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Inspiriert wurde ich von der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, die selbst auch mit einer Behinderung lebte. Sie hatte einen sehr pr\u00e4genden Stil, der eine starke Strahlkraft entwickelte. <\/em><\/strong>Mode ist f\u00fcr mich Fempowerment und ein Gef\u00fchl in mir ganz pers\u00f6nlich, was mir Halt und Haltung gibt. Mit meinen besonderen Schmuck- und Kleidungsst\u00fccken verbinde ich Stimmungen oder Statements. Auch durch meine jeweiligen Szenezugeh\u00f6rigkeiten ist Kleidung f\u00fcr mich immer eher Ausdruck meiner Gesinnung geblieben und ich sah mich nie als Fashion-Victim. Diesen Teil meiner Weiblichkeit lebe ich aus, weil er mir behinderungsbedingt eine lange Zeit abgesprochen wurde und ich einfach reichlich Nachholbedarf habe. Meinem feministischen Anspruch widerspricht das nicht. Mir macht es Spa\u00df, mich auszutoben und ich f\u00fchle mich in diesem Punkt nicht vom Patriarchat in irgendeine Rolle gezwungen, sondern kann hier eher kreativ, befreit und selbstwirksam sein. Aus meiner Sicht erg\u00e4nzen sich Fempowerment und Fashion also ganz wunderbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher war ich Punkerin, trug schwere Schn\u00fcrstiefel zu zerfetzten Hosen und an meiner Lederjacke rasselten martialische Ketten. Da hatte ich als jugendliches Leichtgewicht ganz sch\u00f6n zu schleppen. Meine Haare hatten von pink bis blau alle Farben gekostet und generell war vieles an mir kunterbunt. Sp\u00e4ter glitt ich in die Gothic-Szene \u00fcber, kleidete mich vorzugsweise schwarz und betont weiblich. Mit zunehmender Erblindung konnten sich meine Fingerspitzen f\u00fcr elegante Stoffe wie Spitze, Samt und Satin, aber auch Kontraste wie Lack und Latex begeistern. Heute zitiere ich in meinen Outfits noch immer gern diese Szene, habe viele einzigartige Kleider, R\u00f6cke und Oberteile, erg\u00e4nze aber auch gern Vintage-St\u00fccke oder Rockabilly-Looks, da mir die Schnittformen gut stehen. Nat\u00fcrlich schn\u00fcre ich mir nur zu besonderen Anl\u00e4ssen ein Korsett und ich sitze auch nicht t\u00e4glich mit Federboa und Opernhandschuhen auf dem Balkon, aber ich versuche schon auch im Alltag Teile zu kombinieren, die meine Welt widerspiegeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dieneuenorm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Jenny-Zopf-Barett1.jpg\" alt=\"Portrait von Jennifer Sonntag, einer wei\u00dfen Frau mit schwarzen Haaren, die in einem seitlichen Flechtzopf \u00fcber ihre Schulter nach vorne h\u00e4ngen. Sie tr\u00e4gt einen schwarzen Rollkragenpullover und einen schimmernden, schwarzen Hut mit seitlicher Schleife.\" class=\"wp-image-22685\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dieneuenorm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Jenny-Portrait-Zwillingsnadel1.jpg\" alt=\"Portrait von Jennifer Sonntag, einer wei\u00dfen Frau mit schwarzen Haaren. Sie tr\u00e4gt schwarze Kleidung und einen kleinen, aber auff\u00e4lligen Hut mit Blumen, der seitlich auf ihrem Kopf sitzt.\" class=\"wp-image-22684\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Stil mit Gef\u00fchl<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Manche Menschen wundern sich \u00fcber meine Looks, weil sie glauben, einer blinden Frau m\u00fcsste es egal sein, wie sie aussieht. Aber stell dir vor, du w\u00e4rst blind, w\u00fcrdest du dich dann nicht mehr pflegen und deinen Style nicht mehr leben? Einige Outfits w\u00fcrden sich vielleicht als unpraktischer erweisen als andere, aber w\u00fcrdest du grunds\u00e4tzlich aufh\u00f6ren, Kleidungs- und Schmuckst\u00fccke zu tragen, die dir vorher gefallen haben?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin erst mit Anfang 20 durch eine Augenkrankheit erblindet, ich kenne also die Gesetze der sehenden und die der blinden Welt. Es verunsichert mich noch heute, dass ich \u00fcberhaupt keine visuelle Kontrolle mehr habe. Am Anfang meiner Erblindung war das aber deutlich schlimmer. Nicht, weil ich besonders gut aussehen wollte, sondern weil ich meine Identit\u00e4t im Spiegel verlor. Wenn alle Menschen blind w\u00e4ren, w\u00fcrde ich ehrlicherweise wirklich eine Sache weglassen, weil sie nur im Zusammenspiel mit Sichtbarkeit Sinn ergibt: meinen geliebten roten Lippenstift!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sehende in mir verf\u00fcgt \u00fcber optische Erinnerungen, die mir dabei helfen, mir Farben vorzustellen. Geburtsblinde Menschen n\u00e4hern sich Farben eher assoziativ an. Mir geht es inzwischen auch manchmal bei neuen Farbbezeichnungen wie taupe, mauve, zyklam oder ecru so. Auch nude stelle ich mir komisch vor, denn glaube ich dem Begriff, w\u00fcrde ich dann in einer nude-farbenen Leggins wirken, als h\u00e4tte ich keine Hose an? Meine Lieblingsfarben sind Schwarz und verschiedene Rott\u00f6ne. Das macht es f\u00fcr mich auch leichter, passende Kombinationen auszuw\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mein Dialog mit dem Kleiderschrank&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In meinem Kleiderschrank herrscht strikte Ordnung, da darf auch keine sehende Person eingreifen. Alles hat einen festen Platz. Da auch sehr ausgefallene Outfits dabei sind, ist es sinnvoll, diese bereits als passende Kombinationen aufzuh\u00e4ngen. Teile, die in Stapeln liegen, kann ich schlecht ertasten. Deshalb organisiere ich meine Looks auf zwei Kleiderstangen. Ich suche systematisch nach Kr\u00e4gen, R\u00fcschen und Kn\u00f6pfen, eben nach den tastbaren Charaktereigenschaften der Kleidungsst\u00fccke. Damit komme ich pers\u00f6nlich am besten zurecht. Mittlerweile gibt es auch f\u00fcr das Smartphone Farberkennungs-Apps, die aber nicht so genau sind, wie ein Farberkennungsger\u00e4t. Das h\u00e4lt man auf das entsprechende Teil und bekommt die Farbe angesagt. Es gibt auch Kleideretiketten, die man besprechen kann, verschiedenf\u00f6rmige Markierungskn\u00f6pfe zum Einn\u00e4hen oder man bringt sich eine Braille-Notiz am entsprechenden Kleiderb\u00fcgel an.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mir passieren aber auch Fehlgriffe. Ich besitze das gleiche Kleid in Rot und in Schwarz und das habe ich auch schon mal vertauscht. Als jemand auf einer Lesung \u201eGanz sch\u00f6n feurig!\u201c zu mir sagte, ahnte ich, dass ich wohl zum roten gegriffen hatte. Dasselbe ist mir auch schon bei Dreharbeiten mit meinen Fernsehschuhen passiert. In der Eile hatten sich die Schuhe gleich angef\u00fchlt, waren aber verschiedenfarbig. Ich habe auch einmal versehentlich bei einer eher seri\u00f6sen Veranstaltung eine Leoprint-Strumpfhose getragen und ein Kollege meinte: \u201eAufregende Str\u00fcmpfe hast du da an!\u201c Da dachte ich: \u201eWas ist denn mit dem los?\u201c. Deshalb mache ich mir inzwischen einen Knoten in auff\u00e4llige Teile. In <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=X1ww4et57q0\">diesem Video<\/a> sprechen Gracia Schade, Laura G\u00fcnther und ich dar\u00fcber, ob Frauen mit Behinderung wohl mehr Platz im Kleiderschrank brauchen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Blindenkollektionen und Braille-Stickerein<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ich werde oft von jungen Designerinnen kontaktiert, die gern spezielle Mode f\u00fcr blinde Frauen entwerfen m\u00f6chten. Dem stehen ich und meine blinden Modefreundinnen eher skeptisch gegen\u00fcber, denn hier haben sehende Menschen manchmal befremdliche Vorstellungen davon, wie Mode f\u00fcr uns gestaltet sein muss. Wir m\u00f6chten uns in der Vielfalt der Modewelt umschauen und einen eigenen Stil definieren, aber keine extra Blindenkollektion. Wenn es gut gemacht ist, habe ich jedoch nichts dagegen, wenn die Brailleschrift als Statement oder Orientierungshilfe integriert wird. Vor vielen Jahren unterst\u00fctzte ich ein Projekt rund um die Kunststickerin Antje Kunze, die unsere Lieblingszitate auf bestehende Designerst\u00fccken aufstickte. Eine andere Idee ist, die Informationen der W\u00e4scheschilder in Braille direkt in die entsprechenden Kleidungsst\u00fccke zu integrieren, was einige blinde Frauen aus praktischen Gr\u00fcnden durchaus begr\u00fc\u00dfen. Kontrovers diskutiert wurde aktuell ein Shirtdesign, bei dem in Brusth\u00f6he der Schriftzug \u201eFeel me\u201c zu sehen und zu ertasten ist. Die blinde Journalistin Amy Zayed setzt sich in <a href=\"https:\/\/lydiaswelt.com\/2023\/02\/02\/braucht-man-mode-fuer-blinde\/\">ihrem Blogbeitrag<\/a> kritisch mit der doppeldeutigen Botschaft auf dem Statement-Shirt auseinander.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Im Einklang mit meinen Behinderungen&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Manchmal lasse ich mir auch au\u00dfergew\u00f6hnliche Teile wie Petticoat-Kleider, H\u00fcte, Gamaschen oder Korsagen anfertigen. Wenn ich darf, erf\u00fchle ich in den Ateliers der Schneiderinnen gern verschiedene Stoffe. Es gibt aber auch sehr extravagante Teile, bei denen mir die Blindheit Grenzen setzt. Sachen, mit denen man h\u00e4ngen bleiben kann, sind problematisch. Fr\u00fcher, wenn ich mit ausladenden Gothic-Outfits unterwegs war, habe ich mich damit schon in Dornenhecken verheddert oder landete mit dem schwingenden \u00c4rmel im Suppenteller. Solche Kleidungsst\u00fccke trage ich nur noch sehr ausgesucht. Au\u00dferdem lebe ich mit einer zus\u00e4tzlichen Behinderung, der Fibromyalgie. Das ist eine schwere Schmerzerkrankung. Ich muss Kleidung ausw\u00e4hlen, die nicht schmerzverst\u00e4rkend wirkt. Deshalb achte ich sehr auf Stoffe und N\u00e4hte. Und mein Schuhwerk muss stabil sein. High Heels trage ich nur im Sitzen, f\u00fcr Fotos oder Dreharbeiten. Laufen kann ich mit hohen Schuhen nicht, ich brauche den Tastkontakt zum Boden und liebe meine Boots und Sneakers.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Shopping, Inspiration und Fantasie<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Von aktuellen Trends lasse ich mich nicht so stark verf\u00fchren, weil ich meinen eigenen Stil habe. Dennoch verfolge ich die Entwicklung der Mode interessiert und wenn mir ein Trendteil gef\u00e4llt, integriere ich es in meinen Kleiderschrank. Ab und zu bin ich schon traurig dar\u00fcber, dass ich keine Schaufensterbummel machen kann, mir keine Looks in Modemagazinen anschauen und mich von anderen Frauen optisch inspirieren lassen kann, egal ob in den Medien oder auch einfach auf den Stra\u00dfen. Es ist schon anstrengend, immer alles nur in meinem Kopf zusammenzustellen. Aber ich folge einigen Mode-YouTuberinnen, die gut beschreiben k\u00f6nnen. Am liebsten kaufe ich in Begleitung meines Partners in alternativen L\u00e4den oder auf Szenemessen ein. Er kennt meinen Geschmack und ich kann alles ertasten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Onlineshopping ist leider noch wenig barrierefrei, weil es kaum hilfreiche Bildbeschreibungen gibt. Ich w\u00e4hle besonders gern faire Mode und leider sind auch diese Shops im Netz selten inklusiv, was f\u00fcr mich unbedingt zu einem fairen Konzept dazugeh\u00f6rt. Meistens bestelle ich nur, wenn ich ein Teil schon kenne, weil ich es vorher bei einer Freundin ausgeliehen und gef\u00fchlt habe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mein kleines schmutziges Geheimnis ist Teleshopping. Dort werden die Klamotten n\u00e4mlich oft ausf\u00fchrlich besprochen und man kann am Telefon Detailfragen zum Produkt stellen. Meine Lieben m\u00fcssen aber zum Schluss immer nochmal ein kritisches Auge drauf werfen und ich war auch schon betr\u00fcbt, weil das bestellte Teil doch ganz anders aussah, als ich mir vorgestellt hatte. Insgesamt m\u00f6chte ich Mode nachhaltig denken, kaufe auch gebrauchte St\u00fccke, versuche meine Kleidung lange zu erhalten und immer wieder im eigenen Kleiderschrank zu \u201eshoppen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tricks beim Schminken<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ich habe auch Freude am Schminken. In meinem Image-Ratgeber \u201eDer Geschmack von Lippenrot\u201c gebe ich anderen blinden Frauen nicht nur Tipps zu Mode und Stil, sondern auch zum Schminken mit Sp\u00fcrsinn. F\u00fcr blinde Frauen sind die meisten optischen Ratgeber nicht barrierefrei anwendbar. Wir m\u00fcssen viele Tricks und Kniffe f\u00fcr uns modifizieren. Da ich selbst auch 20 Jahre als Sozialp\u00e4dagogin t\u00e4tig war, befand ich mich auch immer wieder in engem Dialog mit ratsuchenden blinden Frauen, die sich f\u00fcr Beauty-Themen interessierten. Jede Anwenderin darf es nat\u00fcrlich so machen, wie es ihr am leichtesten von der Hand geht. Meine Anregungen sind nur Vorschl\u00e4ge und bew\u00e4hrte Techniken aus der Peer-Arbeit, bei der Betroffene andere Betroffene beraten. Es kann z.B. hilfreich sein, die Hand mit dem Mascara-B\u00fcrstchen ganz still zu halten und den Wimpernkranz daran \u201eentlangzuzwinkern\u201c, um die Farbe aufzunehmen. Beim Auftragen von Make-up gibt es systematische Massagevorg\u00e4nge, um keinen Gesichtsbereich zu vergessen. Bei Rouge oder Lidschatten kann man abz\u00e4hlen, wie oft man mit dem Finger oder Pinsel \u00fcber das Material gegangen ist. Lippenstift kann man vorsichtig von der Mitte zu den Mundwinkeln auftragen. N\u00fctzlich ist auch dieses eif\u00f6rmige Schminkschw\u00e4mmchen. Damit vollf\u00fchre ich meine pers\u00f6nliche Sicherheitsrunde zum Schluss, weil ich damit alles sch\u00f6n verblenden kann und unbemerktes Make-up aufgenommen wird. Meine Fingern\u00e4gel lasse ich im Nagelstudio in Schuss halten, weil ich wei\u00df, dass man bei blinden Menschen auf die H\u00e4nde schaut. Wir sind sehr aktiv mit unseren Fingerspitzen, ersetzen sie doch permanent unsere Augen. Selbst lackieren kann ich meine N\u00e4gel nicht, man wei\u00df nie, ob man \u00fcbermalt. Schminktechniken haben also auch Grenzen. Hier gibt es eine <a href=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/2022\/06\/21\/der-geschmack-von-lippenrot\/\">eigene Kolumne von mir zum blinden Schminken<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>So viel wichtiger als Mode<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Mode und Beauty spielen eine Rolle in meinem Leben, aber keine \u00fcbergeordnete. Ich kann schon dazu raten, sich etwas weniger von optischen Eindr\u00fccken leiten zu lassen. Bei meinen Mitmenschen erlebe ich oft, dass sie Sichtbarkeit zur Hauptsache erkl\u00e4ren. Dabei gibt es top gestylte Leute, die sich benehmen wie eine bekleckerte Jogginghose.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich eine Person kennenlerne, achte ich darauf, ob sie sich sch\u00f6n verh\u00e4lt, nicht ob sie sch\u00f6n aussieht. Es kommt darauf an, wie jemand denkt, spricht und handelt. Ich konzentriere mich oft auf die Geschichten der Menschen, das sind f\u00fcr mich ihre Gesichter. In meinem Talk-Format \u201eSonntagsFragen\u201c beim MDR-Fernsehen, durfte ich 10 Jahre lang prominente G\u00e4ste aus Sicht einer blinden Frau interviewen. Gerade eine nicht sehende Moderatorin Fernsehen machen zu lassen, war eine gewollte Kontroverse. Ich fragte meine G\u00e4ste am Anfang immer, wie sie sich optisch beschreiben w\u00fcrden. Obwohl viele von ihrem Aussehen lebten, viel ihnen das tendenziell schwer. Promis, die es gewohnt waren, durch ihre Optik zu wirken, mussten in der Interaktion mit mir konventionelle Denkr\u00e4ume verlassen. Das war gut, denn h\u00e4ufig haben Menschen, die stark auf ihr Aussehen reduziert werden, durchaus Tiefgreifendes zu sagen. Und ich begann meinen Gegen\u00fcbern ganz eigene Duftcharaktere zuzuordnen. Attraktivit\u00e4t und Pers\u00f6nlichkeit haben f\u00fcr mich n\u00e4mlich auch sehr viel mit Parf\u00fcms und D\u00fcften zu tun.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mut zu Makel und Markenzeichen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Zumindest nach den Eindr\u00fccken, die ich mir aus meinem Umfeld zusammen st\u00fcckele, habe ich das Gef\u00fchl, viele wollen individuell sein und sehen doch am Ende wieder alle gleich aus. Ich sehe die Wechselwirkung zwischen Trend und Social Media durchaus kritisch, m\u00f6chte auch f\u00fcr die Gefahren darin sensibilisieren, generell auch auf die Schattenseiten und die Toxizit\u00e4t der gesamten Trend-, Lifestyle- und Modeindustrie aufmerksam machen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag Menschen, die Makel und Markenzeichen haben und sich trauen, ihren eigenen Stil zu erschaffen. Lasst uns unsere Behinderung nicht als Manko sehen. Kopien gibt es schon genug, es ist so bereichernd, wenn wir unsere pers\u00f6nliche Signatur setzen, die uns einzigartig macht. Ich erfreue mich t\u00e4glich an dieser Vielfalt von Menschen, deren Ausstrahlung ich sp\u00fcren kann. Und es ist f\u00fcr mich ebenso ein starkes Statement, wenn jemand \u00fcberhaupt nichts mit Mode am Hut hat!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dieneuenorm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Jenny-allein-freaky-Hut1.jpg\" alt=\"Eine Aufnahme von Jennifer Sonntag im Fernsehen. In ihrer Hand h\u00e4lt sie Karten mit der Aufschrift &quot;selbstbestimmt, die Sonntagsfragen&quot;. Jennifer Sonntag ist eine wei\u00dfe Frau mit dunklen, gelockten Haaren. Ungew\u00f6hnlich an dem Bild ist ihr Hut. Er gleicht einem Haarreif mit vielen \u00d6hrchen und Federn.\" class=\"wp-image-22689\"\/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/blog\/\">Zum Blog<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich w\u00fcnsche mir sehr, dass ich als Frau mit Behinderung nicht st\u00e4ndig und in allen Lebenslagen auf meine Einschr\u00e4nkungen reduziert werde. So war meine Begeisterung stets gro\u00df, wenn mich Frauenzeitschriften zu Themen einluden, bei denen auch ich mitreden wollte: Mode, Stil, die pers\u00f6nliche Signatur und Selbstbestimmung darin, das innere Spiegelbild, auch die Abgrenzung von Modediktaten. 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