{"id":750,"date":"2024-03-07T10:34:57","date_gmt":"2024-03-07T10:34:57","guid":{"rendered":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/?page_id=750"},"modified":"2024-03-12T20:23:24","modified_gmt":"2024-03-12T20:23:24","slug":"ist-blind-facing-noch-zeitgemaess","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/einblicke\/ist-blind-facing-noch-zeitgemaess\/","title":{"rendered":"Ist &#8222;Blind Facing&#8220; noch zeitgem\u00e4\u00df?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"576\" height=\"768\" src=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/image.jpeg\" alt=\"Jennifer Sonntag vor der Kamera\" class=\"wp-image-755\" srcset=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/image.jpeg 576w, https:\/\/jennifer-sonntag.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/image-225x300.jpeg 225w\" sizes=\"(max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jennifer Sonntag vor der Kamera<br>Foto: privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Blind Facing bedeutet f\u00fcr mich, dass sehende Darsteller*innen blinde Charaktere verk\u00f6rpern. F\u00fcr diese schauspielerische Leistung ernten sie oft gro\u00dfe Anerkennung und werden sogar mit Preisen ausgezeichnet. Der Oberbegriff daf\u00fcr hei\u00dft Cripping up. Viele Menschen mit Behinderungen sprechen sich gegen Cripping up aus und setzen sich daf\u00fcr ein, dass mehr Inklusion auf Theater- und Opernb\u00fchnen und vor Film- und Fernsehkameras stattfindet. Ich mache mich in verschiedenen Kultur- und Medienprojekten daf\u00fcr stark, dass Menschen mit Behinderungen in allen relevanten Gewerken dieser Branchen sichtbarer werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selbst erlebte die Darstellung sehbehinderter und blinder Charaktere durch sehende Personen insbesondere in meiner Kindheit als wenig empowernd. F\u00fcr die Erfindung seiner Figur \u201cSiggi\u201c war ich Hape Kerkeling in den 80ern zum Beispiel nicht gerade dankbar. Hape stellte in der Rolle des Siegfried Schw\u00e4bli einen trotteligen, stark sehbeeintr\u00e4chtigten Mann dar, der mit einer h\u00e4sslichen Hornbrille mit dicken Glasbausteinen ausgestattet war. Auf der Brille lag ein Stigma. Viele von uns hochgradig sehbehinderten Kindern trugen solche dicken Brillen, die als Mitropa-Aschenbecher verschrien waren. Meine Eltern konnten dieses Image damals nat\u00fcrlich bewusster reflektieren als ich und waren peinlich ber\u00fchrt, wenn es sich medial weitertrug. Sie wollten nicht, dass ich als behindertes Kind so wahrgenommen wurde, wie \u201eSiggi\u201c im Fernsehen. Aber es war eine Herausforderung, bei dieser erheblichen Brillenst\u00e4rke sch\u00f6ne Gestelle f\u00fcr kleine M\u00e4dchen zu bekommen. Moderne Technologien zur Fertigung d\u00fcnnerer Gl\u00e4ser wurden erst viele Jahre sp\u00e4ter entwickelt. Diese teuren Gl\u00e4ser konnte sich aber nicht jeder leisten, denn sie wurden von den Kassen nicht \u00fcbernommen. Mir graute vor jedem Fernsehabend, an dem Hape wieder alles daf\u00fcr tat, das Klischee vom sehbehinderten Schwachmaten ordentlich zu beleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte \u00f6fter diese besch\u00e4menden Momente, wenn in Film oder Fernsehen eine blinde oder hochgradig sehbehinderte Person besonders d\u00fcmmlich von einer nicht behinderten Person dargestellt wurde: blind gleich bl\u00f6d. Warum h\u00e4tte man die Figur dann nicht wenigstens etwas Schlaues oder Unerwartetes tun lassen k\u00f6nnen? Oft konnte ich wegen dieser negativen Reproduktionen nicht unbefangen mit anderen fernsehen. Ich wei\u00df noch, dass wir an der Regelschule den Streifen \u201eHot Shots! \u2013 Die Mutter aller Filme\u201c mit englischem Originalton geschaut haben. Ich war in dieser Zeit sehr angespannt, da ich wegen meiner Sehbehinderung ohnehin gemobbt wurde. Ich fand diesen Film auch total witzig damals, zitierte daraus bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit meiner besten Freundin, die auch sehbehindert war, aber \u201eFischauge\u201c, ein halbblinder Leutnant, spielte mir auf dem Gymnasium nicht gerade in die Karten. Und ich, die \u201eHalbblinde\u201c lachte ein Selbstschutzlachen im schulischen Fernsehraum, obwohl ich h\u00e4tte vor Scham im Boden versinken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich macht es einen entscheidenden Unterschied, ob sich eine sehende Person ein \u201eblindes Gesicht\u201c aufsetzt, oder ob eine schauspielende Person selbst blind ist. W\u00e4ren blinde Schauspieler*innen bereit gewesen, sich selbst in Filmen derart d\u00fcmmlich darzustellen? Vielleicht schon. Ich selbst habe viele Jahre versucht das Eis zwischen mir und sehenden Menschen zu brechen, indem ich die h\u00e4rtesten Blindenwitze pers\u00f6nlich zum Besten gab, bevor es jemand anders tat. Heute nennt man das internalisierten Ableismus. Ich bin noch immer ein humorvoller Mensch, aber reflektiere solche Mechanismen heute kritischer. K\u00fcnstler*innen und Schauspieler*innen mit Behinderungen haben mehr zu geben, als immer wieder dieselben Klischees zu reproduzieren, um die Bev\u00f6lkerung zu bespa\u00dfen. Wir wollen durch unsere Behinderung nicht allein einer fragw\u00fcrdigen Unterhaltung oder Inspiration dienen, sondern in vielen Fassetten gezeigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals, ebenfalls noch unhinterfragt, konfrontiert wurde ich mit dem Gef\u00fchl des \u201eBlind Facing\u201c als mich ein Kollege aus dem sozialp\u00e4dagogischen Umfeld zu einem Theaterst\u00fcck mit den Worten einlud: \u201cKommst du heute Abend? Ich spiele einen Blinden!\u201c Das war ganz sicher gut gemeint, denn ich befand mich gerade selbst im Prozess der Erblindung und wir arbeiteten beide im Bereich der Blindenbildung. Er dachte sicher, ich w\u00fcrde mich freuen, das Blindheitsthema durch ihn auf der B\u00fchne repr\u00e4sentiert zu sehen. Statt Freude regte sich in mir jedoch ein ganz anderes, sehr starkes Gef\u00fchl, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ich hatte mich extra in die erste Reihe gesetzt, um mit meinem Sehrest noch etwas vom B\u00fchnengeschehen mitzubekommen. Hell erleuchtet vom Scheinwerferlicht mimte mein Bekannter voller Inbrunst nun \u201eden Blinden\u201c und auch wenn das in bester Absicht war, f\u00fchlte sich die von einem Sehenden hingek\u00f6rperte Blindheit blo\u00dfstellend, verletzend, besch\u00e4mend und vorgef\u00fchrt an. Damals gab es noch keinen Austausch zum Thema Cripping up, ich hatte keine Begriffe zu diesen starken Emotionen in mir und konnte sie nicht einordnen. Ich dachte es l\u00e4ge an mir, das mich das so irritierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter bewegten mich zwei Filme mit blinden Protagonist*innen auf jeweils sehr unterschiedliche Weise: \u201eDie Blindg\u00e4nger\u201c und \u201eErbsen auf halb sechs\u201c. Beide erschienen 2004 und beide erlebte ich mit Audiodeskription, also mit H\u00f6rbeschreibung f\u00fcr blinde Menschen. Es ging also nicht mehr nur darum, Sehende mit der Zur-Schau-Stellung Blinder zu unterhalten. Wir waren als Publikum mitgedacht. Beim Kinder- und Jugendfilm \u201eDie Blindg\u00e4nger\u201c wurden blinde und sehbehinderte Darstellende inkludiert. Die Teenager bewegten sich in f\u00fcr ihre Zeit durchaus realistischen Kulissen und Themen, es ging um Musik, das Internatsleben, die erste Liebe und den Umgang mit Vorurteilen. Hier schaffte ein Jugendfilm, was bis heute im Erwachsenenbereich in Kino- und Fernsehfilmen unzureichend umgesetzt wird. Leider spielen in der Regel sehende Schauspieler*innen blinde Protagonist*innen. So auch in \u201eErbsen auf halb sechs\u201c. Viele blinde Menschen stie\u00dfen sich an den filmischen \u00dcberh\u00f6hungen und der unrealistischen Darstellung von Blindheit. Dennoch enthielt der Film auch authentische Momente und er\u00f6ffnete einen neuen Dialog zwischen blinden und sehenden Menschen, ein Alltagstrick, wie die Orientierung auf dem Teller, wurde pl\u00f6tzlich salonf\u00e4hig. Und ich freute mich ehrlich dar\u00fcber, wenn mir im Restaurant das Men\u00fc mit den Worten: \u201eMangocurry auf sechs, Reis auf zw\u00f6lf, Glas Wein bei zwei\u201c serviert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuschauer*innen wissen in der Regel, dass filmische Inhalte nicht immer der Realit\u00e4t entsprechen. Da aber zu Menschen mit Behinderungen oft Ber\u00fchrungspunkte fehlen, ist das im Film Gesehene meist das einzig Vorstellbare. In meinen Seminaren und Workshops wurde ich \u00fcber viele Jahre auffallend h\u00e4ufig mit einer gewissen Faszination von blinden Menschen konfrontiert, die sehende mit den Filmen \u201eDie blinde Schwertk\u00e4mpferin\u201c und Daredevil\u201c verkn\u00fcpften. Oft wirkten meine Gegen\u00fcber fast schon ein bisschen entt\u00e4uscht, wenn ich ihnen erkl\u00e4rte, dass ich keine Superheldinnentalente h\u00e4tte. Manchmal f\u00fchlte ich mich regelrecht belehrt von sehenden Personen, die mir ausmalten, zu welchen F\u00e4higkeiten ich in der Lage sein m\u00fcsste, weil es ihnen andere Sehende in blinden Filmrollen ins Hirn geschauspielert hatten. K\u00f6nnen gute Dokumentarfilme, in denen blinde Menschen sich zwangsl\u00e4ufig selber darstellen, dieses Problem ausr\u00e4umen? Zum Teil, denn auch hier werden oft Geschichten behinderter Menschen erz\u00e4hlt, die Au\u00dfergew\u00f6hnliches geleistet haben und der Alltagsmensch mit Behinderung ger\u00e4t in Rechtfertigungsn\u00f6te, weil er ein ganz normales Leben f\u00fchrt. Auch wenn ich die Dokumentarfilme \u201eBlindsight\u201c und \u201eUnter Blinden\u201c empfehle, sage ich doch dazu, dass nicht alle blinden Menschen Berge besteigen. Es sind ja auch nicht alle Sehenden Popstars geworden. Dennoch halte ich es f\u00fcr wichtig, auch erfolgreiche und mutmachende Lebensgeschichten von blinden Menschen zu dokumentieren, mit allen H\u00f6hen und Tiefen, die dazugeh\u00f6ren. Als ich selbst noch einen kleinen Sehrest hatte, war ich ganz bewegt von dem Dokumentarfilm \u201eAugenlied\u201c, denn hier wurden verschiedene blinde Menschen portraitiert, die mich empowerten, so auch die spanische Nachrichtensprecherin Nuria del Saz. Ich ahnte damals noch nicht, dass ich selber einmal viele Jahre als blinde Frau vor der Fernsehkamera arbeiten w\u00fcrde, aber durch die Doku hatte ich verinnerlicht, dass so ein Beruf f\u00fcr uns blinde Menschen grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich war.<\/p>\n\n\n\n<p>Serien wie \u201eBlind ermittelt\u201c und \u201eDie Heiland \u2013 Wir sind Anwalt\u201c erfreuen sich gro\u00dfer Beliebtheit. Sch\u00f6n, dass Blindheit so im Mainstream angekommen ist und dass neben konstruierten Szenen auch immer ein bisschen Lebenswelt blinder Menschen mittransportiert wird. Schade, dass die blinden Hauptrollen nicht selbst blind sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als \u201eechte\u201c blinde Frau, die inzwischen selbst ausreichend f\u00fcrs Fernsehen arbeitete, prangere ich an, dass wir blinden Menschen zwar imitiert werden, aber selbst kaum vor der Kamera stattfinden, h\u00f6chstens als Talkshow-G\u00e4ste, aber nicht als Schauspieler*innen oder Moderator*innen eigener Formate. Blindheit dient in diesem Zusammenhang also oft dem emotionalen Entertainment sehender Menschen und blinde Personen werden noch immer \u00fcberwiegend von sehenden Schauspieler*innen dargestellt. In der gesamten Film- und Fernsehbranche gestalten zu gro\u00dfen Teilen sehende Menschen das Thema Blindheit als kommerzielles Produkt. Besser f\u00fchlt sich das an, wenn \u201eechte\u201c blinde Menschen involviert sind. So ber\u00e4t die blinde Anw\u00e4ltin Pamela Pabst die Serie \u201eDie Heiland\u201c als Expertin und ihre Autobiografie wird auch als Quelle zur Entstehung der Serie genannt. Der Kinofilm \u201eMein Blind Date mit dem Leben\u201c basiert auf dem gleichnamigen Buch des blinden Autors Saliya Kahawatte. Aber nicht nur autobiografische Stoffe blinder Menschen als Grundlage f\u00fcr filmische Inhalte sind interessant. F\u00fcr mich w\u00e4re auch w\u00fcnschenswert, dass Menschen mit Behinderungen aktiv als Drehbuchautor*innen ber\u00fccksichtigt werden und es z.B. bei der Einbindung blinder Schauspieler*innen nicht immer prim\u00e4r um deren Behinderung geht. Allerdings wird die Ausbildung blinder Menschen in diesen T\u00e4tigkeitsfeldern noch zu wenig unterst\u00fctzt und es wird noch zu wenig gesehen, dass wir mit unserer Expertise vor, auf und hinter der B\u00fchne mitmischen m\u00fcssen. Befangenheiten bei sehr visuell arbeitenden Menschen kommen sicher auch daher, dass z.B. Dreharbeiten mit einer blinden Person ein Umdenken beim Team und am Set erfordern. Oft scheint es leichter, einen sehenden Menschen blindes Verhalten imitieren zu lassen, als mit einem blinden Menschen vor der Kamera zu arbeiten. Pers\u00f6nliche Drehassistent*innen sind hier ein sinnvoller Ansatz, wie es bei Arbeitsassistenz in anderen Bereichen eben auch gehandhabt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es da noch ein anderes Ph\u00e4nomen, was ich \u201eBlind Simulation\u201c nenne. Ich kann zwar nicht sehen, manchmal aber offensichtlich hellsehen. Als ich 2017 das Manuskript f\u00fcr mein Buch \u201eDer Geschmack von Lippenrot\u201c einreichte, ahnte ich noch nicht, dass eines meiner Kapitel zum Thema \u201eabsurde Trends\u201c bald Realit\u00e4t werden w\u00fcrde. Ich schrieb: \u201eIch pers\u00f6nlich warte ja auf den Tag, an dem Blindheit zum Hype erkl\u00e4rt wird. Da sehe ich schon die M\u00e4dels mit strassbesetzten rosa Augenklappen unbeholfen \u00fcber die Stra\u00dfen torkeln. Wer souver\u00e4n auf beiden Seiten eine tr\u00e4gt, geh\u00f6rt dann selbstverst\u00e4ndlich zu den angesagtesten Fashionistas. Und es g\u00e4be einen riesen Markt an Beauty-Zusatzprodukten f\u00fcr den Glitzer-Blindheitstrend: Glitzerblindenst\u00f6cke, Einhorn-Braille-Schreiber, unsichtbare Lifestyle-Events und Leute, die an den trendy Blindinen Millionen verdienen. Mein Lektor schrieb mir, es sei fast schon kurios. Er lese gerade die Endkorrektur zu meinem Buch und m\u00fcsse mir quasi prophetische F\u00e4higkeiten attestieren. Meine Aussage sei gewisserma\u00dfen Wirklichkeit geworden, wenn auch die Styling-Aspekte hier nicht im Vordergrund st\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zahlreiche Netflix-Zuschauende nahmen den Filmtitel \u201eBird Box \u2013 Schlie\u00dfe deine Augen\u201c zu w\u00f6rtlich. Im Film versucht Sandra Bullock in einer postapokalyptischen Welt zu \u00fcberstehen. Die Erde wird darin von Wesen \u00fcberfallen, die alleine durch ihren Anblick Menschen dazu veranlassen, Suizid zu begehen. Die L\u00f6sung f\u00fcr alle, die \u00fcberleben wollen, sind verbundene Augen. Der Horrorstreifen inspirierte zu einer Challenge: zur sogenannten Bird Box Challenge. Die Teilnehmenden verbanden sich freiwillig die Augen, holperten und stolperten durch verschiedene Alltagsszenen, zogen sich Blessuren zu und verulkten das Nicht-sehen-k\u00f6nnen nach Strich und Faden. Die Clips \u00fcberboten sich in den sozialen Medien und es entstand ein fragw\u00fcrdiges, durch einen Film ausgel\u00f6stes Ph\u00e4nomen, was manche blinde Menschen befremdete: Entzug des Augenlichts als Nervenkitzel. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband wies daraufhin auf die wahren Herausforderungen \u201eechter\u201c blinder Menschen im Alltag hin und betrachtete die Challange durchaus kritisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich nehmen wir uns viel weg, wenn Unterhaltung sich nur noch ausschlie\u00dflich an der Lebensrealit\u00e4t marginalisierter Gruppen ausrichten soll und es keinen Humor und keine Fantasie, keine filmische \u00dcberh\u00f6hung oder dramaturgische Zuspitzung mehr geben darf. Das dominierende Problem ist die fehlende Chancengleichheit. Blind Facing und Cripping up verhindern Inklusion in der Branche. Wenn nicht behinderte Darsteller*innen uns auf B\u00fchnen und in Filmen spielen, sich unsere Identit\u00e4ten aneignen oder sich an unseren Geschichten auf eine unangenehme Weise bereichern, dann sind wir nicht wirklich repr\u00e4sentiert. Das gilt auch f\u00fcr die Fotografie. Auch hier immitieren nicht betroffene Models noch immer in ganz verschiedenen Kontexten behinderte Menschen, ausgestattet mit Rollstuhl oder Blindenlangstock oder mit allem, was nichtbehinderte Fotograf*innen sich im Zusammenhang mit Behinderung vorstellen und dann aus ihrer Perspektive transportieren. Teilhabe und Teilgabe haben wir jedoch erst erreicht, wenn echte Menschen mit Behinderungen vor der Kamera und in repr\u00e4sentativer Zahl sogar hinter der Kamera agieren, z.B. auch als Autor*innen oder Dramaturg*innen, im Masken- oder B\u00fchnenbild oder bei der Mitarbeit an barrierefreien Umsetzungen von Filmen oder B\u00fchnenst\u00fccken. Und talentierte Menschen mit Behinderungen, die es ins Rampenlicht zieht, m\u00fcssen die M\u00f6glichkeit haben, sich an inklusionsoffenen und barrierefreien Schauspielschulen ausbilden zu lassen, um vielschichtige Rollen zu bekommen, wobei die Behinderung dann auch nicht immer im Fokus stehen muss.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/de\/podcast\/blind-facing-wenn-andere-in-die-falsche-rolle-schl%C3%BCpfen\/id1563364492?i=1000635315591\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Link zum IGEL-Podcast zum Thema \u201eBlind Facing\u201c<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/jennifer-sonntag.de\/index.php\/blog\/\">Zum Blog<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blind Facing bedeutet f\u00fcr mich, dass sehende Darsteller*innen blinde Charaktere verk\u00f6rpern. 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